Wissenschaftliche Evidenzübersicht · Forschung zur Augenchirurgie

Voruntersuchung und Hornhautsicherheit bei refraktiver Chirurgie

Hornhautkarten, Dickenmessungen und Risikomodelle beantworten vor einer refraktiven Operation unterschiedliche Fragen. Erfahren Sie, was die Forschung zeigt, wo Unsicherheit besteht und welche Fragen Sie im Beratungsgespräch stellen können.

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Verfasst vom Team von Just Clinic Istanbul Veröffentlicht am 15 Sep 2026 8 Min. Lesezeit

Zentrale Erkenntnis

Hornhautkarten, Dickenmessungen und Risikomodelle beantworten vor einer refraktiven Operation unterschiedliche Fragen. Erfahren Sie, was die Forschung zeigt, wo Unsicherheit besteht und welche Fragen Sie im Beratungsgespräch stellen können.

Die Untersuchung der Hornhaut vor einer refraktiven Operation dient der Risikoeinschätzung; sie liefert keine einzelne Zahl, die über „geeignet“ oder „ungeeignet“ entscheidet. Die Brillenstärke beschreibt die benötigte Korrektur, zeigt aber weder Form und Dicke der Hornhaut noch ihr strukturelles Verhalten. In die Beratung fließen auch die Augenvorgeschichte, die Augenoberfläche, die Refraktion und die verfahrensabhängigen Gewebeveränderungen ein. Keine Aufnahme und kein Score können garantieren, dass keine Ektasie oder andere Komplikation auftritt. [1]

Die Topografie bildet die Krümmung der Hornhautoberfläche ab; die Tomografie liefert zusätzliche Strukturinformationen, darunter zur hinteren Hornhautfläche. Die Pachymetrie misst die Hornhautdicke. Diese Befunde werden als Muster zusammen mit Refraktion, Kontaktlinsen- und Augenvorgeschichte, Zustand des Tränenfilms und dem geplanten Verfahren beurteilt. Das AAO Preferred Practice Pattern wird als einschlägige fachliche Leitlinie aufgeführt, doch ihr vollständiger Text war für diese Auswertung nicht zugänglich. Daher wird dem nicht zugänglichen Volltext keine konkrete Untersuchungsliste und kein bestimmter Grenzwert zugeschrieben. Der internationale Konsens zu Keratokonus und ektatischen Erkrankungen von 2026 ist eine aktuellere Expertenaktualisierung zu Diagnose und Behandlung; er liefert Kontext zu Hornhauterkrankungen, aber keine individuelle Freigabe für eine refraktive Operation. [8] [1]

Ein Schwerpunkt der Forschung ist die Hornhautektasie: eine fortschreitende Ausdünnung oder Formveränderung, die einen irregulären Astigmatismus verursachen und das Sehvermögen beeinträchtigen kann. Sie ist selten, doch dokumentierte Fälle zeigen, dass sich das Risiko durch eine Voruntersuchung nicht ausschließen lässt. Studien können Muster erkennen, die mit einer Ektasie verbunden sind; sie können den individuellen Verlauf nicht garantieren. [3] [7]

Randleman und Kollegen stellten retrospektiv 171 Ektasiefälle zusammen (158 aus veröffentlichten Berichten und 13 aus institutionellen Fällen) und verglichen sie mit 186 Kontrollen mit komplikationslosem LASIK-Verlauf. Von den Ektasiefällen traten 164 nach LASIK und sieben nach PRK auf. Das Ectasia Risk Score System kombinierte das topografische Muster, das vorhergesagte residuale Stromabett (RSB), das Alter, die präoperative Hornhautdicke und den Brechungsfehler. In dieser zusammengestellten Vergleichsgruppe betrugen die berichtete Sensitivität 96 % und die Spezifität 91 %. [3]

Da die Stichprobe gezielt mit Fällen und Kontrollen angereichert war, beschreiben diese Werte die Klassifikationsleistung. Sie geben nicht an, wie wahrscheinlich eine Ektasie bei einer Person mit einem bestimmten Score ist. Die retrospektive Fallsammlung, die damalige Operationspraxis und die ausgewählte Kontrollgruppe schränken ein, wie unmittelbar sich die Ergebnisse auf heutige allgemeine Voruntersuchungen übertragen lassen.

Eine separate retrospektive Validierung verglich 50 Augen mit Ektasie nach LASIK mit 50 Augen nach komplikationsloser LASIK an der Emory University, deren Eingriffe zwischen Juni und Oktober 2004 erfolgten; für die Kontrollen lag eine postoperative Nachbeobachtung von mindestens einem Jahr vor. Der Score stufte 46 von 50 Ektasieaugen als Hochrisiko ein (Sensitivität 92 % in dieser Stichprobe) und zugleich 3 von 50 Kontrollaugen (6 %). Er erkannte mehr Fälle als die historischen Vergleichskriterien der Studie – abnorme Topografie oder RSB unter 250 µm – (92 % gegenüber 50 %; P<0,00001). Das ausgewählte Verhältnis von 50 zu 50 erlaubt keine Schätzung des absoluten Risikos; außerdem ist der LASIK-Score damit nicht für PRK oder SMILE validiert. [4]

Der prozentuale Gewebeanteil (Percent Tissue Altered, PTA) wurde als LASIK-Maß untersucht: Die Flapdicke plus Ablationstiefe wird durch die präoperative zentrale Hornhautdicke geteilt. Santhiago und Kollegen verglichen 30 ektatische Augen von 16 Patienten, deren präoperative Placido-Topografie unauffällig erschienen war, mit 174 Augen nach komplikationsloser LASIK von 88 Patienten; die Kontrollen waren mindestens drei Jahre nachbeobachtet worden. Bei 97 % der ektatischen Augen lag der PTA bei mindestens 40 %; die berichtete Odds Ratio betrug 223. Das zugängliche Abstract enthielt kein Konfidenzintervall für diese Schätzung. [5]

Es handelte sich um einen retrospektiven Zusammenhang aus einer Fall-Kontroll-Studie, nicht um eine prospektive Prüfung eines universellen Grenzwerts. Der PTA enthält eine Messung des LASIK-Flaps; er sollte nicht als validierter Grenzwert auf flapfreies SMILE oder die Oberflächenablation PRK übertragen werden. Auch RSB und andere Scores müssen zusammen mit Karten, Brillenstärke, Vorgeschichte und geplanter Technik eingeordnet werden. Keiner davon ist ein Selbsttest oder eine Garantie.

Ferreira-Mendes und Kollegen untersuchten den Tomographic and Biomechanical Index (TBI) in einer retrospektiven diagnostischen Studie: 312 unauffällige Augen, 118 Augen mit Keratokonus sowie 57 Augen mit sehr asymmetrischer Ektasie und die 57 Partneraugen derselben Patienten mit unauffälliger Topografie. Für den ausgewählten Vergleich zwischen unauffälligen und ektatischen Augen ergab ein TBI-Grenzwert von 0,335 eine Sensitivität von 94,4 % und eine Spezifität von 94,9 %; die Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) betrug 0,988 (95-%-KI 0,982–0,995). In der Untergruppe der Partneraugen mit unauffälliger Topografie ergab ein optimierter Grenzwert von 0,295 eine Sensitivität von 89,5 % und eine Spezifität von 91,0 %; die AUC betrug 0,960 (95-%-KI 0,937–0,983). [6]

Mit Biomechanik ist hier gemeint, wie sich die Hornhaut bei einem kurzen Luftstoß verformt und wieder zurückbildet; diese Reaktion wird zusammen mit tomografischen Formdaten gemessen. Die Sensitivität bezeichnet den Anteil der erkannten Fälle in der ausgewählten Krankheitsgruppe; die Spezifität den Anteil der korrekt klassifizierten Personen in der ausgewählten Vergleichsgruppe. Die AUC fasst zusammen, wie gut ein Test diese Gruppen über verschiedene Grenzwerte hinweg trennt. Das sind Maße der diagnostischen Klassifikation, keine Vorhersage des Operationsergebnisses in einer nicht ausgewählten Gruppe und keine individuelle absolute Wahrscheinlichkeit. Da der Grenzwert je nach Vergleich variierte, ist der Index keine universelle Freigabeschwelle.

Der Konsens von 2015 umfasste drei Fragebogenrunden und eine Sitzung mit 36 Augenärztinnen und Augenärzten; als Einigungsschwelle galten zwei Drittel. Für die zweite Ausgabe von 2026 wurde das Verfahren auf vier Fragebogenrunden und eine Sitzung mit insgesamt 128 Augenärztinnen und Augenärzten in sieben Gremien ausgeweitet; auch hier galt eine Zweidrittelmehrheit. Es handelt sich um Expertenkonsens, nicht um prospektive Studien zur Validierung eines Scans, eines Voruntersuchungsgrenzwerts oder der individuellen Eignung. [2] [8]

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Eine systematische Übersichtsarbeit zu Berichten aus den Jahren 1984 bis 2021 zählte Ektasiefälle ohne erkannte präoperative Risikofaktoren: 57 nach PRK, 1.453 nach LASIK und 11 nach SMILE. Unter Einschluss der Fälle mit Risikofaktoren lagen die Zahlen bei 70, 1.681 beziehungsweise 19. Die Autoren schätzten die jährlichen weltweiten Eingriffszahlen auf 283.920 für PRK, 1.608.880 für LASIK und 96.750 für SMILE. Aus den gemeldeten Fällen und diesen geschätzten Nennern errechneten sie ungefähre Raten von 20, 90 und 11 Fällen je 100.000 Eingriffe ohne erkannte Risikofaktoren. [7]

Die Übersichtsarbeit betont, dass dies keine belastbaren, direkt vergleichbaren Inzidenzraten sind: Fallmeldungen, Eingriffszahlen, Nachbeobachtung und Nenner unterscheiden sich; zudem ist eine Untererfassung möglich. SMILE hat außerdem eine kürzere Anwendungsgeschichte und deutlich weniger gemeldete Fälle. Die Zahlen belegen weder, dass ein Verfahren generell sicherer ist, noch validieren sie LASIK-spezifische Scores für andere Techniken. Sie veranschaulichen die Grenzen der verfügbaren fallbasierten Evidenz.

Die Wahl des Verfahrens und die individuelle Eignung müssen von einer entsprechend qualifizierten Fachperson für Augenheilkunde beurteilt werden. Dieser Artikel fasst Forschung und Leitlinienmaterial zusammen; er kann keine individuelle Untersuchung ersetzen und bietet keine persönliche medizinische Beratung. Wenn Sie ein Beratungsgespräch planen, können Sie allgemeine Preise für LASIK und PRK in der Türkei sowie das beschriebene Paket für Augenlaseroperationen mit LASIK und PRK als Planungsinformationen ansehen. Diese Seiten begründen weder eine individuelle Eignung noch eine klinische Empfehlung. Just Clinic Istanbul ist eine unabhängige Marketing- und Leadgenerierungsplattform, kein Gesundheitsdienstleister und kein Vermittler für Medizintourismus. Anfragen können nur mit Ihrer Einwilligung an autorisierte Gesundheitspartner weitergegeben werden.

  • Welche Karten und Messwerte wurden herangezogen, und welches Muster war ausschlaggebend?
  • Könnten Kontaktlinsen oder Probleme der Augenoberfläche einen Messwert beeinflussen, und sollte die Messung wiederholt werden?
  • Welche Evidenz ist für das vorgeschlagene Verfahren relevant?
  • Welche Alternativen oder weiteren Untersuchungen kommen zur Sprache, wenn die Befunde grenzwertig sind?
  • Welche Nachsorge und Kontaktmöglichkeiten sind vorgesehen, falls sich das Sehvermögen verändert?
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  1. Jacobs DS, Lee JK, Shen TT, Afshari NA, Bishop RJ, Keenan JD, Vitale S Refractive Surgery Preferred Practice Pattern®. Ophthalmology. 2023;130(3):P61–P135. Online veröffentlicht am 19 Dezember 2022. doi: 10.1016/j.ophtha.2022.10.032. PMID: 36543604.
  2. Gomes JAP, Tan D, Rapuano CJ, Belin MW, Ambrósio R Jr, Güell JL, Malecaze F, Nishida K, Sangwan V Global consensus on keratoconus and ectatic diseases. Cornea. 2015;34(4):359–369. doi: 10.1097/ICO.0000000000000408. PMID: 25738235.
  3. Randleman JB, Woodward M, Lynn MJ, Stulting RD. Risk assessment for ectasia after corneal refractive surgery. Ophthalmology. 2008;115(1):37–50.e4. doi: 10.1016/j.ophtha.2007.03.073. PMID: 17624434.
  4. Randleman JB, Trattler WB, Stulting RD. Validation of the Ectasia Risk Score System for preoperative laser in situ keratomileusis screening. American Journal of Ophthalmology. 2008;145(5):813–818. doi: 10.1016/j.ajo.2007.12.033. PMID: 18328998. PMCID: PMC3748728.
  5. Santhiago MR, Smadja D, Gomes BF, Mello GR, Monteiro MLR, Wilson SE, Randleman JB Association between the percent tissue altered and post-laser in situ keratomileusis ectasia in eyes with normal preoperative topography. American Journal of Ophthalmology. 2014;158(1):87–95.e1. doi: 10.1016/j.ajo.2014.04.002. PMID: 24727263.
  6. Ferreira-Mendes J, Lopes BT, Faria-Correia F, Salomão MQ, Rodrigues-Barros S, Ambrósio R Jr Enhanced ectasia detection using corneal tomography and biomechanics. American Journal of Ophthalmology. 2019;197:7–16. doi: 10.1016/j.ajo.2018.08.054. PMID: 30201341.
  7. Moshirfar M, Tukan AN, Bundogji N, Liu HY, McCabe SE, Ronquillo YC, Hoopes PC Ectasia after corneal refractive surgery: a systematic review. Ophthalmology and Therapy. 2021;10(4):753–776. doi: 10.1007/s40123-021-00383-w. PMID: 34417707. PMCID: PMC8589911.
  8. Gomes JAP, Hafezi F, Ambrósio R Jr, Henriquez MA, Campos M, Kinoshita S, Nkurikiye J, Koh S, Watson S, Mazzotta C, Torres-Netto E, Belin MW, Güell JL, Izquierdo L, Mahjoub S, Nubile M, Sharma N, Sarnicola V, Scorsetti DH, Mehta JS, Vinciguerra R, Cochener-Lamard B, Fogla R, Lee WB, Rapuano CJ; Panelists of the Global Consensus on Keratoconus and Ectatic Diseases—Edition 2; Hillen M; Intrials Scientific Team. Global Consensus on Keratoconus and Ectatic Diseases—Edition 2. Cornea. 2026;45(7):888–908. doi: 10.1097/ICO.0000000000004170. PMID: 42228627. Veröffentlicht am 1. Juli 2026.

Garantiert eine unauffällige Hornhautaufnahme, dass eine refraktive Operation sicher ist? +

Nein. Ein unauffälliger Befund ist nur ein Teil der Beurteilung und kann nicht jedes Risiko ausschließen. Die Evidenz umfasst Ektasiefälle ohne erkennbare präoperative Risikofaktoren; auch Untersuchungsmethoden haben Grenzen.

Was unterscheidet Hornhauttopografie und -tomografie? +

Die Topografie bildet die Krümmung der Hornhautoberfläche ab. Die Tomografie liefert zusätzliche Strukturinformationen, darunter zur Rückfläche. Fachpersonen beurteilen die Karten zusammen mit Dicke, Refraktion, Augenvorgeschichte und dem geplanten Verfahren.

Kann ich anhand des PTA oder des Ectasia Risk Score entscheiden, ob ich geeignet bin? +

Nein. Diese Maße stammen aus bestimmten LASIK-Studien und ausgewählten Stichproben. Sie sind weder Selbsttests noch universelle Grenzwerte oder Garantien. Die LASIK-spezifischen Maße sollten nicht auf PRK oder SMILE übertragen werden.

Belegt die verfügbare Forschung, dass PRK oder SMILE sicherer als LASIK ist? +

Nein. Veröffentlichte Ektasieberichte und geschätzte Eingriffszahlen unterscheiden sich je nach Verfahren; die Autoren der Übersichtsarbeit verwiesen auf unsichere Nenner und mögliche Untererfassung. Die Daten belegen keine allgemeingültige Rangfolge der Sicherheit.

Was sollte ich fragen, wenn Aufnahme oder Messwerte unsicher sind? +

Fragen Sie, welche Befunde unsicher sind, ob Messungen wiederholt werden sollten, welche Evidenz für das jeweilige Verfahren gilt und welche Alternativen oder Nachsorge besprochen werden.

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